Kéré Foundation Kéré Foundation

Der Kontext

Der Entwurf der Gebäude unterliegt immer einer langen Liste an Parametern wie Kosten, klimatische Bedingungen, Ressourcen an Material und Rohstoffen, und der Umsetzbarkeit von Konstruktionsideen. Dabei liegt der Erfolg der Projekte darin, diese vermeintlichen Einschränkungen zur Tugend zu machen. Um den größtmöglichen Effekt zu erzielen entstehen oft hybride Bauweisen aus modernen Baustoffen und den lokal vorkommenden Ressourcen wie Lehm, die im Überfluss vorkommen. Traditionell werden die Gebäude in West-Afrika aus Lehm hergestellt und die Bevölkerung ist geschult im Umgang mit diesem Baustoff, da die Wohnhäuser in Selbstbauweise gebaut werden.

Der gepresste Lehmbaustein

Diese traditionellen Lehmbautechniken wurden von Francis Kéré modifiziert und modernisiert um robustere und klimatisch günstigere Gebäude zu erstellen. So entstand z. B. ein gepresster und luftgetrockneter Lehmbaustein, der einen Minimalanteil an Zement enthält und so den heftigen Regenfällen in Burkina Faso Stand halten kann. Die Steine werden von den Arbeitern mit der eigenen Ziegelpresse hergestellt. Durch die Verwendung von lokalem Lehm, der eigenen Herstellung, und den klimatischen Qualitäten ist dieser Stein besonders nachhaltig.

Das schwebende Dach

Trotz ihrer großen Standhaftigkeit müssen die Gebäudemauern dennoch gegen die Starkregen und die hohe Sonneneinstrahlung geschützt werden. Dies geschieht durch eine weit überstehende Dachhaut aus Wellblech. Viele Häuser in Burkina Faso sind mit Wellblech gedeckt. Der konstruktive Unterschied zu unseren Gebäuden besteht jedoch darin, dass diese Dächer einfach dem Mauerwerk aufliegen und sich so der Innenraum unglaublich aufheizen kann, da Metall Hitze absorbiert. Die Dächer unserer Gebäude schweben sozusagen über den Räumen. Dieses Dachsegel liegt einem filigranen Tragwerk, das aus einfachen Bewehrungsstäben zusammengeschweisst wird, auf. Dadurch entsteht ein Zwischenraum zwischen Wetterschicht und Gebäudedecke.

Die Luftzirkulation

Durch kleine Öffnungen in den massiven Decken kann die erwärmte Luft aus dem Innenraum abströmen. Da die Lufttemperatur unter dem Wellblechsegel höher ist, entsteht ein Kamineffekt. Aussenluft strömt durch die Lamellenfenster oder Fussbodenöffnungen nach, und lässt die Luft zirkulieren. Ein Luftströmungskreislauf entsteht, und dadurch Kühlung in den Klassenräumen. Unsere Gebäude kommen alle ohne Klimaanlage aus und sind durch die robuste Bauweise und physikalischen Kühlungssysteme extrem wartungsarm.

Die Partizipation der Dorfbevölkerung

Auch wenn die Pläne für die Gebäude aus der Feder von Francis Kéré stammen, die erfolgreiche Umsetzung gelingt nur durch die Mithilfe der Gemeinschaft. Traditionell arbeitet die ganze Dorfbevölkerung beim Bau und der Reparatur der Wohnhäuser zusammen. Indem diese Kultur beibehalten wurde, konnten technisch einfache und nachhaltige Arbeitsweisen zusammen mit der Gemeinschaft weiter entwickelt und verbessert werden. 

 

Typische Gebäudequerschnitte mit Belüftungsschema

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